Agile Verträge Verträge schreiben, die Flexibilität erlauben

Agile Projekte und klassische Festpreisverträge passen zusammen wie Öl und Wasser. Wenn sich der Scope ständig ändern kann, funktioniert ein Vertrag nicht, der alles vorab festlegt. Hier lernst du Vertragsmodelle, die Flexibilität ermöglichen und trotzdem beide Seiten schützen.

Agile Verträge auf einen Blick

Klassisches Problem
Festpreis + agiler Scope = Konfliktgarantie
Time & Material
Abrechnung nach Aufwand, Scope flexibel
Managed Capacity
Festes Team, flexible Inhalte, Sprint-weise Abnahme
Empfehlung
Sprint-basierte Verträge mit Exit-Klauseln

Warum passen Festpreis und agil nicht zusammen?

Ein Festpreisvertrag sagt: „Du bekommst genau das, was im Pflichtenheft steht, für genau diesen Preis." Scrum sagt: „Wir liefern das Wertvollste zuerst und passen den Scope laufend an." Das widerspricht sich fundamental. Wenn der Scope fix ist, ist Agilität eine Illusion. Wenn der Scope flexibel ist, braucht der Kunde eine andere Sicherheit als den Festpreis.

Festpreis Scope fix, Preis fix Risiko: Auftragnehmer Nicht agil! Time & Material Scope flexibel, Preis offen Risiko: Auftraggeber ✓ Agil-kompatibel Sprint-Vertrag Festes Team, flex. Scope Risiko: Geteilt ✓✓ Ideal für Scrum
Drei Vertragsmodelle — und ihre Eignung für agile Projekte

Welche agilen Vertragsmodelle gibt es?

Time & Material (T&M): Du zahlst nach Aufwand. Der Scope ist komplett flexibel. Gut für langfristige Zusammenarbeit mit Vertrauen. Risiko: Der Auftraggeber hat kein Kostenlimit.

Managed Capacity: Du buchst ein festes Team für einen Zeitraum (z.B. 3 Monate). Was das Team in der Zeit liefert, bestimmst du über das Backlog. Kombination aus Planbarkeit und Flexibilität.

Money for Nothing, Change for Free: Ein Festpreis, aber mit zwei Klauseln: Der Kunde kann jederzeit aufhören und zahlt nur das Geleistete plus eine Prämie. Und er kann Features tauschen, solange der Gesamtaufwand gleich bleibt.

Wie funktioniert ein Sprint-basierter Vertrag?

Die eleganteste Lösung: Der Vertrag läuft Sprint für Sprint. Nach jedem Sprint nimmt der Kunde das Ergebnis ab und entscheidet, ob ein weiterer Sprint beauftragt wird. Das gibt maximale Flexibilität und minimales Risiko auf beiden Seiten.

In der Praxis wird oft ein Rahmenvertrag geschlossen, der die Konditionen regelt, und dann Sprint für Sprint abgerufen. So hat der Kunde jederzeit eine Exit-Option und der Auftragnehmer die Sicherheit einer laufenden Beauftragung.

Worauf solltest du achten?

Exit-Klauseln: Beide Seiten sollten nach jedem Sprint aussteigen können. Definition of Done: Was gilt als „geliefert"? Das muss vertraglich definiert sein. IP-Rechte: Wem gehört der Code? Sprint für Sprint oder erst am Ende? Transparenz: Regelmäßige Demos und Burndown-Charts bauen Vertrauen auf und machen Fortschritt sichtbar.

Tipp für Freelancer: Auch kleine Projekte profitieren von Sprint-basierter Abrechnung. Statt „Website für 5.000 Euro" lieber „4 Sprints á 2 Wochen, je Sprint 1.250 Euro, Scope je Sprint abgestimmt."