Estimation auf einen Blick
- Story Points
- Relative Komplexität, nicht absolute Dauer
- Planning Poker
- Team schätzt gemeinsam mit Karten (1, 2, 3, 5, 8, 13...)
- T-Shirt-Sizing
- S, M, L, XL — grobe Einordnung für Roadmap-Planung
- #NoEstimates
- Bewegung, die Schätzungen grundsätzlich hinterfragt
Warum schätzen agile Teams anders?
Klassische Schätzungen in Stunden oder Tagen suggerieren eine Genauigkeit, die es nicht gibt. „Das dauert 40 Stunden" klingt präzise — ist aber genauso geraten wie „ungefähr eine Woche". Agile Teams schätzen daher relativ: Wie komplex ist diese Aufgabe im Vergleich zu einer anderen, die wir schon kennen?
Wie funktionieren Story Points?
Story Points messen nicht die Zeit, sondern die Komplexität einer Aufgabe. Ein Team einigt sich auf eine Referenz-Story (z.B. „Login-Seite bauen = 3 Punkte") und vergleicht alle anderen Aufgaben damit. Ist die nächste Story doppelt so komplex? Dann bekommt sie 5 oder 8 Punkte.
Die Fibonacci-Reihe (1, 2, 3, 5, 8, 13, 21) wird verwendet, weil sie ein wichtiges Prinzip widerspiegelt: Je größer die Aufgabe, desto unsicherer die Schätzung. Der Abstand zwischen den Zahlen wächst — und das ist gewollt. Über die Sprints hinweg entsteht so eine Velocity, die zuverlässige Prognosen ermöglicht.
Was ist Planning Poker?
Planning Poker ist eine spielerische Schätzmethode: Jedes Teammitglied hat Karten mit Story-Point-Werten. Eine User Story wird vorgelesen, alle legen gleichzeitig eine Karte verdeckt auf den Tisch und decken dann gemeinsam auf. Wenn alle ähnlich schätzen — fertig. Wenn die Werte weit auseinanderliegen, wird diskutiert. Die Person mit der höchsten und der niedrigsten Karte erklärt ihre Sicht.
Das Geniale: Durch das gleichzeitige Aufdecken vermeidest du Anchoring — niemand wird von der Meinung anderer beeinflusst. In der Scrum-Techniken-Übersicht findest du weitere Details.
Wann nutzt du T-Shirt-Sizing?
T-Shirt-Sizing (S, M, L, XL) eignet sich für die grobe Roadmap-Planung und das Backlog Refinement. Wenn du 50 Stories im Backlog hast und einen schnellen Überblick brauchst, ist T-Shirt-Sizing deutlich schneller als Planning Poker. Die Genauigkeit reicht für die Planung auf Quartalsebene völlig aus.
Geht es auch ohne Schätzungen?
Die #NoEstimates-Bewegung fragt provokant: Wenn alle Stories ungefähr gleich groß geschnitten sind, wozu dann schätzen? Zähle einfach die erledigten Stories pro Sprint. Das funktioniert — wenn dein Team konsequent kleine, gleichmäßige Slices schneidet. Kanban-Teams arbeiten oft so: Sie messen Lead Time und Throughput statt Story Points und brauchen dafür keine einzige Schätzung.
Mein Rat: Starte mit Planning Poker, weil es Diskussionen anstößt und das gemeinsame Verständnis fördert. Wenn dein Team reifer wird und Stories gleichmäßig schneidet, kannst du die Schätzungen ausdünnen.